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Vorgestellt: Manuela Schikora und Tobias Bruckhaus im Gespräch

Manuela Schikora, neue Geschäftsführerin des Unternehmensbereichs Teilhabe und Bildung, und Tobias Bruckhaus, neben Dr. Karsten Bittigau neuer Geschäftsführer des Unternehmensbereichs Gesundheit im EDBTL, berichten von ihrem Start im Diakonissenhaus, der im Corona-Jahr 2020 eine besondere Herausforderung war. Im Gespräch spürt man dennoch die optimistische Gelassenheit, die beide ausstrahlen.

 

Ein Jahr lang Pandemie, über ein Jahr Lockdowns, Einschränkungen und neue Verordnungen. Wie sind Sie als neue Geschäftsführer damit umgegangen?

Schikora: Das kam letztes Jahr geballt – mein Neueinstieg und das Pandemiemanagement. Aber vielleicht folgen ja auf 2020 ein paar weniger aufregende Jahre.

Bruckhaus: Ich befürchte, Frau Schikora, es gibt keine nicht-aufregenden Jahre im EDBTL! (lacht)

Frau Schikora, Sie sind am 1. April 2020 ans EDBTL gekommen. Wo waren Sie vorher?

Schikora: Ich komme aus Bremen und fühle mich nach all den Jahren in Berlin noch immer ein wenig als Hanseatin. Dort habe ich Lehramt studiert, und wir hatten dort ein sehr ehrgeiziges Ziel: Wir wollten die Hauptschule „reformieren“.

Bruckhaus: Ehrgeizig sind Sie bestimmt immer noch. Reformieren Sie jetzt das EDBTL?

Schikora: (lacht) Das nicht, aber es stimmt: Mit 60 fängt nicht jeder noch mal völlig neu an. Arbeitsbereiche mit ehrgeizigen Zielen reizen mich immer noch.

Hanseatin sind Sie also. Und wann haben Sie sich auf den Weg nach Berlin gemacht?

Schikora: Ich bin 1988 wegen der Liebe nach Berlin gekommen. Ich bin bald Mutter geworden, aber 1990 wollte ich in den Schuldienst einsteigen. Nur war die wirtschaftliche Situation zu dem Zeitpunkt ja eher schwierig. Nachdem mich das Arbeitsamt als „nicht vermittelbar“ eingestuft hatte, erhielt ich dann aber doch plötzlich ein Angebot: als Fachlehrerin für die Konkurs-Azubis der ehemaligen Interhotels. Also habe ich begonnen, Köche und Kellner bei einem sozialen Träger im Rahmen der Benachteiligtenförderung auszubilden. Schließlich bin ich In die Ausbildungsabteilung eines diakonischen Komplexträgers gewechselt. Dort wurden Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen in verschiedenen Berufsfeldern ausgebildet. Von dort ging es in die Jugendhilfe und Projektentwicklung und später in die Behindertenhilfe. 

Wollten Sie auch schon als Kind Lehrerin werden?

Schikora: Nein, absolut nicht! Tierärztin, das wollte ich werden. Ich bin am Bremer Stadtrand aufgewachsen, ganz in der Nähe von Feldern, Wiesen und Bauernhöfen mit ihren vielen Tieren – ländlich geprägt. 

Als Tierärztin ist man ja auch der Fürsorge verschrieben. Ein roter Faden ist also erkennbar. Sie waren lange beim EJF. Haben Kirche und Glauben in Ihrer Kindheit eine Rolle gespielt? 

Schikora: Ja, wir haben recht christlich gelebt, womit ich meine, dass wir in unserem Umfeld sehr gemeindenah waren. Unser Pastor hat die Gemeinschaft sehr geprägt. Zu Hause wurde ich locker christlich erzogen, ganz entspannt. 

Herr Bruckhaus, woher stammen Sie? Man hört’s ja ein bisschen an dem schönen Sing-Sang…

Bruckhaus: Wirklich? (lacht) Ja, ich komme aus dem Rheinland –  aus der Nähe von Düsseldorf. In Neuss geboren. Seit 2016 wohne ich in Leipzig und pendle. Das ist für mich aber keine Belastung. Solange eine Wegstrecke nicht länger ist anderthalb Stunden ist, geht das. 

Wie sahen Ihre ersten beruflichen Schritte aus?

Bruckhaus: Zuerst habe ich in verschiedene Studiengänge reingeschnuppert, aber dann den Druck verspürt, „etwas Richtiges“ zu lernen. Also habe ich eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht – in einer Damenhut-Manufaktur. 

Hui!

Bruckhaus: Aber ich wollte mich weiter umschauen. Ein Freund machte mich auf eine neue Hochschule in Remagen aufmerksam. Und ich entschied mich für ein Studium der Gesundheits- und Sozialwirtschaft. Bis Ende der 1990er Jahre wurde Betriebswirtschaft in Krankenhäusern nicht besonders großgeschrieben. Dann erkannte man, dass es kombinierter Studiengänge bedurfte, um Medizin und Ökonomie sinnvoll zu verbinden. Mein erster Job war Controller in einer Lungenfachklinik in Essen – in einem tollen Team. Und man merkte zunehmend, wie sich die Krankenhäuser immer mehr professionalisierten. Anschließend konnte ich mich bei einem katholischen Komplexträger in Duisburg weiterentwickeln. Ich wurde Referent der Geschäftsführung, später Verwaltungsdirektor, dann Kaufmännischer Direktor. Nach Übernahme des Verbundes durch die größte deutsche Klinikkette wurde ich dort erstmals Geschäftsführer, von einem Standort mit 1.100 Betten und 2.200 Mitarbeitern. Später hat es mich dann als Krankenhausdirektor nach Sachsen-Anhalt und als Geschäftsführer nach Hessen verschlagen, bevor ich zu einem diakonischen Komplexträger wieder nach Sachsen-Anhalt als Geschäftsführer für den Unternehmensbereich Gesundheit gewechselt bin. Ähnlich wie das EDBTL.

Ein erfolgreicher Weg …

Bruckhaus: Etwas Glück gehört immer dazu. Zur richtigen Zeit die richtigen Leute treffen. Aber das ist nicht das Wichtigste. Ausschlaggebend ist, dass man Spaß an dem hat, was man tut …

Schikora: … und offen zu sein! Der Zufall spielt natürlich auch immer eine Rolle, aber, wenn man Herausforderungen gegenüber offen ist, schafft man auch den Sprung ins kalte Wasser – und das Schwimmen darin.

Wie war der Start am EDBTL für Sie, Frau Schikora?

Schikora: Aufgrund der Corona-Bestimmungen war es ein seltsamer Beginn – ohne die bekannten Rituale, mit Vorstellungsrunden und Händeschütteln oder einer gemeinsamen ersten Kaffeerunde. Ich habe meine Kollegen und Kolleginnen erst mal nur per Telefon, also lediglich ihre Stimmen, kennengelernt. Aber inzwischen kenne ich alle Gesichter. Und ich fühle mich so wohl hier: Der Teltower Campus ist wie ein Dörfchen! Es herrscht so ein freundliches Miteinander. Wenn ich in meinen Mittagspausen über das Gelände spaziere, treffe ich Klienten oder Diakonissen auf einen Schnack und werde sogar von den Kita-Kindern und ihren Eltern freundlich gegrüßt. Das ist doch super!

Wie sah Ihr Beginn am 1. Juni 2020 aus, Herr Bruckhaus?

Bruckhaus: Ich habe natürlich auch erst mal Maske tragend alle Kollegen und Mitarbeiter kennengelernt. In meine Aufgaben habe ich schnell reingefunden, man kennt ja sein Metier mit der Zeit. Vieles wird dann zur Routine. Ich bin aber auch schon mit einem guten Gefühl angekommen, weil ich mich vorab mehrmals mit dem Kaufmännischen Vorstand Lutz Ausserfeld ausgetauscht und viele Informationen von ihm erhalten habe. Der Unternehmensbereich Gesundheit befindet sich schon seit Jahren in einer herausfordernden Situation. Die Aufgabe war daher schnell klar: schauen, wie wir das Potenzial, das unsere Kliniken alle haben, am besten heben können. 

Frau Schikora, im Mittelpunkt Ihrer Arbeit steht die Teilhabe und die Förderung Benachteiligter. 

Schikora: Genau. Aber Herr Bruckhaus macht eines deutlich, worauf ich in meiner Arbeit in einer Leitungsposition viel Wert lege und woran ich gerne noch intensiver arbeiten möchte: Führungskräfteentwicklung! Denn die Welt ist bunter geworden, es gibt viel mehr Familienmodelle als früher, und kaum jemand arbeitet mehr 30 oder 40 Jahre lang bei ein und demselben Unternehmen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Denn beim EDBTL gibt es sehr wohl Kolleginnen und Kollegen, die hier in den 1980ern schon ihre Ausbildung gemacht haben und dem Diakonissenhaus treu geblieben sind. Das ist doch etwas Besonderes. Aber um Erfahrungen besser auszutauschen und eine Dynamik zu entwickeln, brauchen wir noch mehr neue Kollegen wie etwa Herrn Bruckhaus. Ein gutes Matching von langjährigen und neuen Mitarbeitenden ist wichtig, ohne das EDBTL krampfhaft verjüngen zu müssen. Aber durchs Matchen können wir Angst vor Veränderung nehmen und Strukturen öffnen – auch Erinnerungen bearbeiten, bei einem Unternehmen, das so nah an der Mauer stand. Außerdem macht es mir Spaß, andere zu motivieren, auch für einen nächsten Karriereschritt. 

Bruckhaus: Das ist das Schöne am Diakonissenhaus. Man setzt nicht krampfhaft auf Verjüngung, sondern versucht die Erfahrung der alten Hasen mit den innovativen Ideen der Frischlinge gewinnbringend zusammenzufügen.

Frau Schikora, welche Ziele haben Sie sich für Ihre Zeit im EDBTL gesetzt?

Schikora: Oberste Priorität ist, geeignete Mitarbeitende für unsere Einrichtungen zu finden und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Wichtig ist uns vor allem die persönliche Eignung. Fachwissen kann man sich aneignen.  Aber sich diesem Kern der Personalentwicklung überhaupt widmen zu können, fiel im vergangenen Jahr schwer. 2020 war eine große Herausforderung, dennoch haben wir drei Leitungspositionen neu besetzen können.

Was war im Teilhabe-Bereich die größte Schwierigkeit?

Schikora: Alle Einrichtungsleitenden waren wirklich in großer Sorge, zum Beispiel die anfänglichen räumlichen Vorgaben des Robert-Koch-Instituts für die besonderen Wohnformen nicht einhalten zu können. Die Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäuser konnten das nach einer Weile zwar ganz gut stemmen, aber in der Eingliederungshilfe ging das schon aus baulichen Gründen nicht so einfach. In den Wohnstätten für Menschen mit Behinderung gibt es viele Gemeinschaftsräume. Die Bewohner strikt voneinander zu trennen ist deshalb schon fast unmöglich. Die erarbeiteten einrichtungsindividuellen Maßnahmepläne brachten aber letztendlich den gewollten Schutz. 

Aber das letzte Jahr – und wohl auch die kommenden Monate – waren und bleiben eine enorme Belastung für uns alle, insbesondere aber für die Kollegen in der Pflege. Was könnte uns noch nach der Rückkehr einer so erhofften Normalität beschäftigen?

Bruckhaus: Spätfolgen werden sicherlich eine Rolle spielen; ich befürchte, Erschöpfung wird das größte Problem sein. Denn wir sind alle mürbe. Und diejenigen, die eine Corona-Erkrankung überstanden haben, müssen eventuell mit Long-Covid rechnen. Da hilft nur: mit den Mitarbeitern sprechen, auch Time-Outs anbieten, mit den anderen Führungskräften nach Lösungen suchen und vor allem: Sensibilität zeigen.

Schikora: Vor allem müssen wir uns um die Mitarbeitenden mit Kindern kümmern. Monatelanges Homeschooling und Kitaschließungen sind eine extreme Belastung. 

Herr Bruckhaus, welche Aufgaben stehen in den nächsten Monaten bei Ihnen auf der To-Do-Liste?

Bruckhaus: Die Restrukturierung unserer Kliniken steht ganz oben auf unserer Agenda. Im Lutherstift und in Lehnin haben wir im letzten Jahr schon viel bewegt. Jetzt gilt es, auch den Standort in Ludwigsfelde wieder in ruhigere Fahrwasser zu manövrieren. Das wird sehr spannend!

Schikora: Am Image des Heilerziehungspflegers werden wir im Bereich Teilhabe künftig stärker arbeiten und zeigen, dass es ein wichtiger, verantwortungsvoller Job ist, Menschen mit Beeinträchtigung in ihrer Entwicklung zu begleiten. 

Bruckhaus: Ansonsten beschäftigt uns auch der Fachkräftemangel. Wir müssen wieder attraktiver für Pflegekräfte und Ärztinnen werden. Auch die Digitalisierung wollen wir weiter vorantreiben. Und wir möchten uns stärker nach außen präsentieren und betonen, dass wir mit unseren kleinen, aber wichtigen Krankenhäusern im ländlichen Raum – schließlich haben wir einen Versorgungsauftrag vom Land Brandenburg – eine tragende Rolle im Gesundheitssystem spielen. 

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Bruckhaus: Ich blicke optimistisch in die nächste Zeit. Keiner weiß, wann wir die Pandemie bewältigt haben werden – ob 2021, 2022 oder 2023. Aber im EDBTL sind so viele Leute, die mitziehen, so viele Mitstreiter – und gemeinsam kommen wir da raus.

Schikora: Ein wichtiges inhaltliches Ziel für mich ist, das Bundesteilhabegesetz umzusetzen. Und für meine Kolleginnen und Kollegen in der Eingliederungshilfe und den Bildungseinrichtungen wünsche ich mir, dass schnell geimpft wird; das ist jetzt wichtig und wird zur Beruhigung beitragen. Aber diese Krise hat auch etwas Positives hervorgebracht: Ich habe das Gefühl, dass die verschiedenen Teams in dieser harten Zeit stärker zusammengewachsen sind. Und diesen Elan, der in ganz vielen unserer Einrichtungen zu spüren ist, wollen wir mit in die kommenden Monate nehmen.

 

Manuela Schikora vertritt den Unternehmensbereich Teilhabe und Bildung des EDBTL, zu dem die Felder Kinder und Bildung sowie Menschen mit Behinderung gehören. Tobias Bruckhaus repräsentiert den Unternehmensbereich Gesundheit.