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"Das Wochenbett ist wichtig, doch viele nehmen keine Rücksicht"

Am 4. Oktober beginnt die Weltstillwoche. Wir haben mit Hebamme Julia Bluhm aus dem Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow gesprochen und sind tief in die Themen Mutter-Werden und das eigene Vertrauen ins Mutter-Sein eingetaucht.

 

Hebamme Julia Bluhm: <<Meines Erachtens nach wird dem Wochenbett von der Gesellschaft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Früher gab es Großfamilien und quasi ein ganzes Dorf, in dem sich alle gegenseitig unterstützt haben.

Wenn sich heute Frau nicht bewusst ist, wie wichtig es ist, Wochenbett zu halten und sich um sich zu kümmern, nimmt darauf kaum jemand Rücksicht. Besuch kündigt sich an, alle möchten das Baby sehen, bleiben zum Mittag und Kaffeetrinken.

Oft, natürlich nicht immer, fühlen sich Angehörige oder Freunde auf den Schlips getreten, wenn eine Familie den Wunsch äußert, die erste Zeit nach der Geburt keinen Besuch empfangen zu wollen. Es wird oft erwartet, dass die frisch gebackene Mutter einfach weiter funktioniert, schließlich hat sie ja „nur“ ein Kind geboren und ist nicht krank.

Kochen, Wäsche waschen, Haushalt, sich vielleicht sogar noch um weitere Kinder kümmern… es kommt so viel zusammen. Was ist mit jemandem, der gerade eine Blinddarm OP hinter sich hat? Ihm gesteht man zu, sich auszuruhen. Warum nicht einer Mutter im Wochenbett? Wer kümmert sich um die Mutter? Der Körper hat enorme Umstellungen zu bewältigen – in der Schwangerschaft und auch im Wochenbett.

Ich wünsche mir mehr Unterstützung. Statt des zehnten Stramplers könnte man der Freundin, Tochter oder Schwägerin, die gerade Mama geworden ist, eine gekochte Mahlzeit vor die Tür stellen. Geschwisterkinder könnten für ein paar Stunden von den Nachbarn oder Großeltern betreut werden. Jemand könnte die Wäsche zusammenlegen, die Küche aufräumen… etc. Damit wäre geholfen, und die Wöchnerin könnte die erste Zeit im Bett oder auf der Couch bleiben und sich voll und ganz auf sich, ihr Wochenbett und ihr Baby konzentrieren.

Zum Thema Stillen kursieren noch zu viele Mythen in der Gesellschaft. Irgendwer weiß immer alles besser und gibt ungefragt Ratschläge. Die stillenden Mütter sind dadurch verunsichert, was häufig zur Folge hat, dass sie ihrem Bauchgefühl nicht vertrauen und das Stillen oft nur kurz zelebriert wird, da sie ja eh alles „falsch“ machen. Da hört man Sachen wie: „Dein Kind ist ständig an der Brust, es wird bestimmt nicht satt, gib ihm doch die Flasche.“ Oder: „Du verwöhnst ja dein Kind, du musst es auch mal schreien lassen.“ Oder: „Gib ihm die Flasche, dann schläft dein Kind nachts auch durch.“

Auch Stillen in der Öffentlichkeit wird sehr zwiegespalten gesehen. Es gibt viele Menschen, die sich daran stören, wenn eine Mutter etwa in einem Café stillt: „Das ist ja ekelig, können Sie das nicht zu Hause oder auf der Toilette machen?“ Wie bitte? Wer geht denn auf dem WC essen? Bekommt aber ein Kind in der Öffentlichkeit die Flasche, ist das ja soooo niedlich. Verkehrte Welt.

Es kostet oft jede Menge Durchsetzungsvermögen und Kraft, wenn Frau nach ihrem Gefühl agieren möchte - so wie es heute sein sollte und auch durch Studien und evidenzbasierte Medizin belegt ist. Ich sage nicht, dass „früher alles schlecht war“, nein. Aber man wusste es eben auch nicht anders. Und ist es nicht so, dass heute die meisten ein modernes, technisch gut ausgestattetes Auto fahren wollen, und nicht eins aus dem 19. Jahrhundert?<<

Hebamme Julia Bluhm arbeitet im Kreißsaal des EKLT und ist auch als Beleghebamme tätig. Schreiben Sie uns Ihre Kommentare oder Fragen gern an geburtshilfediakonissenhausde, oder besuchen Sie eine unserer nächsten Infoveranstaltungen für Schwangere.

 

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