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Das Diakonissenhaus bietet das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und auch den neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in eigener Trägerschaft an. mehr
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21.07.2016

Wege in ein neues Leben - Wie ein Geflüchteter aus dem Iran und eine Berliner Abiturientin den Freiwilligendienst im Diakonissenhaus erleben


Rasoul Amirabadi Faharani ist sichtlich guter Laune. Der 38-Jährige sitzt gemeinsam mit weiteren Geflüchteten, die wie er einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Evangelischen Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin absolvieren, in einem Konferenzraum in Teltow zusammen. Heute steht einer der zahlreichen Seminartage auf dem Programm. Auf dem Tisch stapeln sich Magazine: Gemeinsam mit BFD-Referentin Iris Göken setzen sich die Teilnehmer mit der deutschen Kultur auseinander.

Rasoul Amirabadi Faharani flüchtete vor anderthalb Jahren aus dem Iran; er musste um sein Leben fürchten, weil er zum christlichen Glauben konvertiert war. Doch die Anfangszeit in Deutschland war schwer. „Meine Tochter hat mich immer wieder gefragt, warum ich ständig zuhause bin“, erinnert sich Amirabadi Faharani. „Das hat mich traurig gemacht. Ich wollte doch selber auch aktiv sein, arbeiten, anderen Menschen helfen.“ Im Iran hatte er zwölf Jahre als Schuhmacher gearbeitet, seine eigene Werkstatt mit zwanzig Mitarbeitern geleitet, ein erfülltes Arbeitsleben gehabt.

Als ihn schließlich die Agentur für Arbeit fragte, ob er einen Bundesfreiwilligendienst absolvieren wolle, zögerte er nicht lange. Seit Mitte April ist er nun als Freiwilliger im Evangelischen Krankenhaus Luckau, das zum Unternehmensverbund des Diakonissenhauses gehört, als Umbetter im Einsatz. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Amirabadi Faharani, und man glaubt es ihm, wenn er das sagt. „Ich kann hier viel lernen, und meine Kolleginnen und Kollegen sind sehr freundlich.“ Zusätzliche Motivation und Unterstützung erhielt er von einem Arzt im Krankenhaus, der ebenfalls aus dem Iran stammt. Rasoul Amirabadi Faharanis größter Wunsch? „Ich möchte eine Zukunft in Deutschland aufbauen, für mich, meine Frau und vor allem für die Kinder.“

Nach dem Abi gleich studieren – oder doch erst mal für eine begrenzte Zeit etwas Anderes machen? Vor dieser Frage stand Frieda Scharf vor einem Jahr. Sie entschied sich schließlich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Seit September 2015 arbeitet sie als Freiwillige an der Hans-Christian-Andersen-Schule des Diakonissenhauses. „Da ich Sonderpädagogik studieren möchte, lag es für mich nahe, zuvor einen Freiwilligendienst in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung zu absolvieren“, sagt die 21-Jährige.
 
In der Förderschule an der Lichterfelder Allee in Teltow unterstützt sie nun die Fachkräfte bei der Betreuung der Schülerinnen und Schüler. „Mir liegen die Kinder und Jugendlichen einfach am Herzen“, sagt Frieda Scharf, „außerdem ist es ein tolles Gefühl, gebraucht zu werden.“ Bei Praktika an einer Blinden- und einer Gehörlosenschule hatte die Berlinerin schon zuvor erste Erfahrungen in ihrem zukünftigen Berufsfeld gesammelt. Seither beherrscht sie die Blindenschrift, zudem hat sie an der Abendschule einen Kurs in Gebärdensprache belegt.

In der Hans-Christian-Andersen-Schule fühlt sie sich bestens aufgehoben: „Es herrscht ein sehr familiäres Klima hier.“ Ab und zu allerdings, schränkt die angehende Sonderpädagogin ein und lacht, müsse man auch mal starke Nerven zeigen, „denn die Kids testen einen schon aus.“

Und wie fällt ihre Bilanz nach zehn Monaten FSJ am Diakonissenhaus aus? „Ich kann einen Freiwilligendienst jeder und jedem nur empfehlen, ganz gleich, ob man später im sozialen Bereich arbeiten will oder nicht“, sagt Frieda Scharf, „es tut einfach gut, sich einmal eine Zeitlang woanders herausfordern zu lassen.“